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Ein Dreivierteljahrhundert Route des Grandes Alpes E-Mail

Nirgendwo sonst wird einem die wahre Größe der Alpen so eindrucksvoll vor Augen geführt, wie bei einer Reise über die fran­zösische Hochalpenstraße – die Route des Grandes Alpes. Als ich das erste Mal so richtig über diese Straße rockte, hatte ich stets ein Lied im Kopf: Chris Rea, Road To Hell. Aber die Route des Grandes Alpes ist nicht der Weg in die Hölle, sondern führt uns Biker direkt in den Motorrad-Himmel! Und das nun schon seit 75 Jahren.

Für Glücksgefühle sorgen natürlich die 16 Pässe auf den knapp 700 Kilometern vom Genfer See bis ans Mittelmeer. Aber auch eine Landschaft, die häufig genug abrupt wechselt, ein Belag, der besten Grip verspricht (und hält), oder schlicht die Tatsache, dass es auf weiten Strecken dieser himmlischen Route kaum Verkehr gibt…

Was auch immer man sich von einer Reise auf der Routes des Grandes Alpes verspricht – ich glaube nicht, dass man je enttäuscht wird von ihr. Das Einzige, was man ihr vorwerfen könnte, ist das knappe Zeitfenster, in dem sie zu befahren ist. Nicht selten öffnen die letzten Pässe erst Mitte, manchmal auch Ende Juni. Und bei Wetterpech kann der Spaß Ende September schon wieder vorbei sein, spätestens Ende Oktober ist aber ganz sicher Schluss.

Das ist unter anderem der Tatsache geschuldet, dass die Route des Grandes Alpes auf weiten Teilen niemand wirklich braucht. Die 1937 endlich durchgehend erschlossene Trasse ist eine formidable Touristenstraße, wenig frequentiert und für den Alltagsverkehr nicht geeignet. Entsprechend geben sich die Franzosen auch keine Mühe, sie „von Hand“ den Winterklauen zu entreißen.

Ich bin sie schon zu allen möglichen Zeiten gefahren, an einem der ersten Öffnungstage und an einem der letzten. Ich kam am Galibier noch so gerade übern Berg, da wurde gleich hinter mir – in Nebel und Schneetreiben – die Schranke heruntergelassen: fermé hivernale, Wintersperre. 

Aus Unwissenheit in die Tour de France

Ich rasselte aus Unwissenheit mitten im Juli in die Tour de France hinein, mit zwei Tagen Zwangspause in einem sonst gottverlassenen, nun aber von Radlfans annektierten Bergdorf. Seither geben wir auch in unseren Portalen stets die Zeiten bekannt, an denen die große Radschleife in den alpinen Gefilden Station macht. Doch wann auch immer ich den geteerten Spuren durch die französischen Hochalpen folgte: Glücksgefühle gab es stets satt en route!

Happy Birthday, Route des Grandes Alpes! Seit 75 Jahren beglückst Du nun schon Reisende auf ihrem hochalpinen Weg ans Mittelmeer.

Die Route nimmt seit 75 Jahren als D902 ihren Ausgangspunkt am nördlichen Ende der Region Rhône-Alpes, im Badeort Thonon-les-Bains am Lac Léman, dem Genfer See. Nur die ersten Kilometer sind sanftes Einfahren. Irgendwann zweigt links das Abondance-Tal ab, dann geht es auch schon hinauf in den Wintersportort Les Gets. Einige kühne Kurvenschwünge später ist sowohl des Bikers Betriebstemperatur als auch Cluses erreicht. Dann wird es alpin.

Weithin einsichtbare Kehren

Der Col de la Colombiere ist eine erste Herausforderung. Immerhin 1618 Meter bringt er auf den Höhenmesser und schmiegt sich dabei schon recht eng an die rechterhand aufsteigenden Felswände. Die Kehren sind weithin einsichtbar, was das Fahrvergnügen schnell steigert.

Der als nächster folgende Col de Aravis weist auch noch knapp 1500 Meter auf. In Flumet bietet sich bereits ein erster Umweg an. Wer auf den etwas zu gut ausgebauten Col des Saisies verzichten kann, nimmt stattdessen die Höhenstraße über der Arly-Schlucht ins Visier: klein, schmal, kurvenreich und immer wieder mit schönen Aussichten gespickt. Auch auf diesem Wege ist Beaufort, das kleine savoyardische Käseparadies, erreichbar. 

Schnell sind ein Baguette und dieser wunderbare regionale Käse gekauft. Damit geht es dann in erfreulicher Kurvenhatz an den Lac de Roseland, an dessen Ufern es sich bestens picknicken lässt. Stärkung tut auch Not, denn für die anschließenden Kilometer über die Cormet de Roseland nehme ich mir immer ausgiebig Zeit. Hier ein Abstecher zu Fuß in die wild-romantische Landschaft, dort eine Erfrischung im klaren, aber kalten Gebirgsbach. Und zu alledem auch noch eine der schönsten Alpenstraßen, die Frankreich aufzuweisen hat.

Am Morgen die Nordrampe erklimmen

In Bourg-Saint-Maurice erreicht die Route bereits das Tarantaise, die Heimat des höchsten asphaltierten Alpenpasses. Doch bevor der erobert wird, gönne ich mir gerne zu seinen Füßen in Val d‘Isère eine Übernachtung. Es ist für mich nämlich einer der schönsten Momente, am Morgen die Nord­rampe bis auf die 2770 Meter hoch gelegene Passhöhe des Col de l‘Iseran zu erklimmen und irgendwann einer hoffentlich strahlenden Sonne ins Gesicht zu blicken – wenn sie denn scheint.

Auf jeden Fall weiß ich, dass ich mir nach den wilden Kehren der Südrampe meinen Kaffee und ein leckeres Croissant im urig-hübschen Alpendorf Bonneval-sur-Arc verdient habe, bevor es bis auf weiteres ziemlich entspannt der Maurienne entgegen geht. Rechterhand türmen sich die Gipfel des Nationalparks Vanoise auf, linkerhand verläuft die Grenze zu Italien stets parallel.

In Saint-Michel-de-Maurienne zweigt die Route dann links ab und verabschiedet sich aus diesem Tal. In wilden Schwüngen lädt der 1570 Meter hohe Col du Télégraphe zu vergnüglicher Eroberung ein. Valloire, das Tor zum nächsten Highlight, dem Galibierpass, ist nicht nur ein perfekter Platz für ein leckeres Mittagsmahl. Auch kulturell hat der Ort einiges zu bieten, zählt die kleine Gemeinde doch zu den barocken Perlen der Region Rhône-Alpes, die gleichzeitig hier ihr Ende findet.

Nicht aber die Route des Grandes Alpes: Über die nun folgenden 25 Kilometer mit der Galibier-Passhöhe von 2645 Metern als Highlight wechseln nicht nur die Regionen, sondern gleich das Gebirge. Es geht von den Hoch- in die Seealpen, hinein nach Provence-Alpes-Côte d‘Azur.

Über den gleich anschließenden Col du Lautaret, dessen Passhöhe den Endpunkt der bereits 1876 erbauten Galibierstraße markiert, ist nun Briançon, die markante Festungsstadt schnell erreicht. Hier zweigt die Zufahrt zum für meine Begriffe schönsten Pass der französischen Alpen ab, dem Col d‘Izoard. Zwar erreichen seine 2360 Meter nicht die luftigen Höhen der Vorgänger an diesem Tag, dafür ist er an landschaftlicher Dramatik kaum zu übertreffen.

In einem Gebirgslandschaftstraum

Im Norden baut sich das Geschehen um einen herum langsam auf. Ein alpines Hochtal ist über Kilometer malerischer Hintergrund für die Fahrt. Mit Erreichen der Waldflächen kommen auch die Kehren und Kurven ins Spiel, die den Izoard so überaus unterhaltsam machen. Am Refugé Napolèon wachsen sich die Kurven zu extrem weiten Schwüngen, eingebettet in einen Gebirgslandschaftstraum, aus. 

Auf der Passhöhe steht die Bruchsteinsäule, die nicht nur die Höhenangabe des Passes ziert, sondern auch eine Erinnerungsplakette an die Entstehung der Route des Grandes Alpes. Und dann geht der Traum erst richtig los…

Völlig unvermittelt wird aus dem bis dato grün gefärbten Saum der Straße eine Art Mondlandschaft mit dem bezeichnenden Namen Casse Déserte. Der sonst solide Fels ist hier verwittert, Niederschläge haben eine unwirkliche, zerstörerische Kraft entfaltet. Der Abraum liegt wie eine graue Pulverschicht über den Mulden und Senken, aus denen Felsnadeln herausragen. Und mittendurch verläuft die Route des Grandes Alpes.

Etappenziel Barcelonnette

So abrupt, wie der Spuk begonnen hat, findet er ihm Queyras sein Ende. Jetzt verläuft der Weg wieder in geordneten Bahnen, zumeist durch ein fruchtbares Hochtal. Ein letzter Pass, der 2109 Meter hohe Col du Vars, und bald darauf ist mit Barcelonnette das Ziel dieser rund 260 Kilometer währenden Hochalpen-Etappe erreicht.

Der schmucke Ort ist mein Favorit, wenn es um einen Übernachtungsplatz entlang der Route geht. Die Hotelauswahl ist gut, auf dem Marktplatz herrscht buntes Treiben – auch, weil ein paar sehr nette Restaurants ihn säumen. Und von hier aus lassen sich gleich mehrere Zusatzetappen einlegen, etwa zum Col de la Bonette und seiner 2802 Meter hoch gelegenen Gipfelrunde.

Wenn es mich dann weiter zieht, ist die Vorfreude bereits groß, den mit dem Col de la Cayolle steht ein vorletzter fahrerischer Hammer unmittelbar bevor. Auch in dieser Landschaft lassen sich einige Leckerbissen finden, ein paar Wasserfälle etwa, zu denen ein kurzer Fußmarsch durchaus lohnt. Jedenfalls ziehen sich die 50 Kilometer der beiden Rampen überaus kurzweilig bis ins Departement Alpes-de-Haute-Provence.

In Guillaumes verlasse ich meistens die eigentliche Strecke für einige Zeit und folge der dramatischen Schlucht Daluis bis Entrevaux. Hier befindet sich übrigens ein sehr ansehnliches, privates Motorradmuseum. Dann stürze ich mich in die Cians-Schlucht, nordwärts, bis Beuil.

Im Kurven-Stakkato den Berg hinauf

Ab hier geht die Route des Grandes Alpes weiter, etwa 100 Kilometer sind es noch bis ans Meer. Und auf denen ziehen die Straßenbauer zum Abschluss der Reise noch mal alle Register. Höhepunkt dieser wahren Kurvenorgie ist der legendäre Col de Turini. Dort stellen sich die Seealpen dem Reisenden letztmalig massiv in den Weg. Im Stakkato geht es die Kehren und Schwünge dieses Rallye Monte Carlo Klassikers den Berg hinauf, erst auf 1607 Metern ist Schluss.

Schluss ist von hier aus auch bald mit der Route des Grandes Alpes. Über Sospel läuft sie jetzt locker in Richtung Côte d‘Azur aus. Ziel ist das malerische Menton, unmittelbar an der Grenze zu Italien gelegen.

Drei Etappen bis ans Ziel. So ist die Route des Grandes Alpes auch machbar. Doch wer zumindest ein paar der möglichen Zusatz-Highlights mitnehmen möchte, sollte gut eine Woche einplanen. Je mehr, desto besser. Umso intensiver wird das ganz persönliche Erlebnis auf der Route des Grandes Alpes. Amusez-vous!

Fotos: Lemmonier, Toews, Zürcher

Route des Grandes Alpes
Die Tour führt über rund 700 km vom Genfer See durch die hochalpinen Gebiete in Frankreichs vielfältigster Region: Rhône-Alpes. Sie ist mit Auto wie auch Motorrad gleichermaßen eine grandiose Er"fahr"ung. Für die einfache Strecke ist eine Reisezeit von drei Tagen bis zu einer Woche (inkl. An- und Abreise) einzuplanen – je nachdem, wie viele Abstecher man sich gönnt.
Die Reportage stammt aus dem ALPENTOURER SPEZIAL Frankreich, hier im Shop für EUR 7,50 erhältlich.
Die Tourenkarte als PDF zum ausdrucken gibt es zusammen mit den GPS-Daten der Route des Grandes Alpes sowie einiger empfehlenswerter Abstecher im GPX-Format hier zum Download!


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