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Grand Tour de Rhône-Alpes E-Mail

Freude kommt auf, wenn ich durch diese Landschaft rolle. Sie kommt auf, wenn ich diese Berge sehe, wenn ich in diese tiefen Schluchten schaue. Und wenn ich auf feinsten Straßen einsam meine Runden drehe. Willkommen in Rhône-Alpes, willkommen auf einer großartigen Motorradtour durch Rhône-Alpes, der Grand Tour de Rhône-Alpes.

Der Lac Léman, auch bekannt als Genfer See, empfängt mich mit Regen. Über meinem Ziel, dem Col de la Faucille, hängen dunkle Wolken, als ich mich auf einen wärmenden Café im Kurhotel von Divonne-les-Bains einfinde. Während ich über einem kurzen Schwarzen sinniere, ob es tatsächlich eine gute Idee war, im Spätherbst in die französischen Alpen zu fahren, reißt draußen der Himmel auf. Die Sonnenstrahlen lassen den Asphalt dampfen, als ich mich auf die 1.320 Meter Passhöhe hinaufschwinge. Ein letzter, gleichsam atemberaubender Blick fällt auf den See, dann tauche ich ein in die Welt der Berge.

Das französische Jura kann zwar nicht mit seinem hochalpinen Pendant mithalten, was die Meereshöhe seiner Gipfel angeht. In Sachen Kurven aber muss es sich nicht verstecken. Hier könnte man schon ein paar spaßige Fahrtage verbringen. Mich zieht es dennoch weiter westwärts durch das Departement Ain. Und mein Tagesziel heißt Perouges.

Kulisse für Historienfilme

Die mittelalterliche Kulisse ist oft genug als Hintergrund für Historienfilme genutzt worden, so dass einem die Straßenzüge merkwürdig vertraut vorkommen. Gegründet wurde die Stadt einst von gallischen Siedlern, die aus dem italienischen Perugia zurückkehrten. Sie brachten nicht nur den Namen, sondern gleich die ganze Ortsanlage mit. 

Allerdings hatte der Flecken nordöstlich von Lyon wenig Fortune, so dass er im 19. Jahrhundert fast zur Geisterstadt verkam. Im Jahre 1911 wurde dann ein Verein gegründet, der sich seither um den Erhalt der Stadt kümmert. Für einen Franc konnte man ein Haus für 99 Jahre erwerben, musste es aber restaurieren. Langsam zog wieder Leben in die Stadt ein. Heute kommen jährlich über 400.000 Besucher nach Pérouges. 

Nach diesem lehrreichen Aufenthalt steuere ich zielsicher wieder die Berge an. Zu verlockend sind die Pässe, selbst in vergleichsweise geringer Höhe, als dass ich sie nicht unter die Räder nehmen wollte. Auf dem Weg zum größten Natursee Frankreichs, dem Lac du Bourget, durchstreife ich die Montagne du Grand Colombier auf der Suche nach immer mehr Kurven. Bei der Anfahrt zum gleichnamigen Pass werde ich überaus fündig – und außerdem schon mal auf über 1. 500 Meter getragen.

Aix-les-Bains und seinen unbestrittenen Reizen entkomme ich über den Col de la Cluse. Den Kurort selbst möchte ich nicht näher unter die Lupe nehmen, mich lieber dem Asphalt der D 913/D 912 widmen, die mich, zugegeben über einen Umweg, nach Chambery trägt.

Südlich der Savoien-Hauptstadt empfängt mich die Chartreuse. Das Gebiet ist bekannt für seine prächtige Natur, aber auch für sein Kloster und den legendären Likör, den die Mönche dort seit Jahrhunderten aus Kräutern destillieren. Ich nehme mir vor, am Abend eine Kostprobe davon zu ordern. Jetzt ist es mir zum einen zu früh, zum anderen zu gefährlich.

Die flächenmäßig größte Region der Grande Nation, Rhône-Alpes, ist an Vielfalt so reich gesegnet, dass sie wahrlich als Frankreich im Westentaschenformat durchgeht. Das wird mir spätestens klar, als ich tags darauf das Vercors in Angriff nehme. Habe ich in den grandiosen Gorges de la Bourne schon geglaubt, die schroffen Schluchten mit der an den Fels geklebten Straße seien kaum noch zu überbieten, so muss ich mich nur wenige Kilometer weiter eines Besseren belehren lassen. Mir stockt der Atem, als ich in die Combe Laval einbiege. Vor mir ein schmales Asphaltgeschlängel hinauf zum Col de la Machine mit Natursteindurchbrüchen und engsten Kurven, zur einen Seite die Schlucht eines Nebenarms der Isère tief unter mir und zur anderen Seite nackter Fels, der bis in den Himmel zu reichen scheint! Kann es denn noch schöner kommen?

Nebenstraßen zur Quelle der Loire

Es kann. In der Ardèche. Ich habe das Rhônetal durchfahren, bei Valence den Fluss, der ein Namensgeber der Region ist, überquert und mich dann hinaufgeschwungen nach Tournon-sur-Rhône. Jetzt folge ich den kurvenreichen Nebenstraßen des Departements bis zur Quelle der Loire. Dieser andere große Fluss Frankreichs, besser bekannt für seine Schlösser viele Kilometer weiter flussabwärts, nimmt hier seinen Anfang. Oder besser: gleich sechs davon.

Niemand kann so genau sagen, welches die echte Quelle ist, weil viele der Gewässer gleich wieder im Fels verschwinden. Es gibt die geographische Quelle und die historische, die bekannte und die unbekannte, die beliebte und weiß der Himmel welche noch – verwirrend.

Unterhalb des Gerbier de Jonc, einem Gipfel von soliden 1 .551 Metern, ist jedenfalls ein kleiner Dauermarkt mit heimischen Produkten entstanden, die den Besuchern dieser „Source de la Loire“ feilgeboten werden. Mit mir tummeln sich an diesem Sonntag zwei Dutzend Renault Alpine-Fahrer mit ihren attraktiven Kunststoff-Flundern auf dem Parkplatz vor der rustikalen Kaffeebude, die sich per Hand gemaltem Schild als Motorrad freundlich ausweist – „Halte Motard“.

Der Kaffeepause folgen fahrerische Glücksmomente, als ich wieder südwärts rolle. Ich genieße die wärmenden Sonnenstrahlen und den Wechsel der Landschaft. Hier bekommen Licht und Land schon fast provençalische Züge. Nicht mehr weit, und ich werde mitten in Lavendelfeldern stehen – wenn auch nicht in blühenden angesichts der Jahreszeit. Zuvor statte ich aber den Gorges de la Ardèche einen Besuch ab. Das Naturwunder ist vor allem bekannt durch einen der meistfotografierten Felsenbogen der Welt, Pont d‘Arc. Ungleich spannender als das etwas abgedroschene Fotomotiv ist aber die Straße, die sich oberhalb der Schlucht mehr als 40 Kilometer lang durch die Gegend windet und nicht umsonst den Beinamen „Haute Corniche“ trägt. Hinter jeder Kurve lauern hier neue Ausblicke, einer schöner denn der nächste. Wer die Zeit hat, sollte die Strecke doppelt genießen – in beide Richtungen!

Im südwestlichen Drôme holen mich Lavendel, Oliven und Wein ein. Für kurze Zeit werde ich der Region Rhône-Alpes untreu. Der Anstieg über den Col des Tempêtes zum Mont Ventoux ist zu berüchtigt – allerdings mehr für die Profis der Tour de France  und ihre Nachahmer –, als dass ich ihn rechts liegen lassen könnte. 

Bergdorf als besonderes Kleinod

Ziemlich geschafft rolle ich die letzten Kilometer nach Valouse aus, wo mich ein ganz besonderes Kleinod erwartet. Statt des herkömmlichen Hotelbetriebs empfängt mich ein ganzes Dorf. Nichts anderes ist das „Hameau des Valouse“ nämlich. Aus dem einst verlassenen Bergdorf hat die Besitzerfamilie über Jahrzehnte eine ansehnliche Herberge geformt. Die kleinen Häuser sind heute die Zimmer – oder vielmehr die Apartments, die voll ausgestatteten Ferienwohnungen entsprechen. Zentral liegen Restaurant und Poolbereich. Und das ganze klebt so weit ab vom Schuss an den Felsen, dass man die Erholung förmlich mit den Händen greifen kann.

Die Stille der Nacht nimmt mich gefangen und umschließt mich wie mit unsichtbaren Armen. Ich fühle mich seltsam entrückt, Lärm und Hektik bleiben in dieser Enklave außen vor. Entspannt wechsel ich an diesem Morgen von Drôme nach Isère – und damit zurück in die Berge. Die französischen Alpen türmen sich allmählich vor mir auf, sanft ansteigend zunächst, dann aber mit all ihrer Macht und Pracht!

Am Südzipfel des Vercors vorbei fädele ich mich in das Auf und Ab der zahllosen Pässe ein, die mir nun bevorstehen. Ich muss feststellen, dass die bekannten – und berüchtigten – Gipfelquerungen in Rhône-Alpes zwar auch ihren Reiz haben. Viel mehr laden aber die kleinen, unbekannten Cols zum Tanz auf zwei Rädern: Col de Menée, Col St-Sébastien, Col de l‘Holme sind nur einige der Stationen auf meinem Weg, der mich schließlich vorbei am Massif de Encrins nach Le Bourg-d‘Oisans bringt. Der Ort putzt sich im Sommer für die einfallenden Abenteurer heraus, denen die Felswände der Umgebung als gigantischer Kletterspielplatz dienen. Radler kennen die Gegend zudem von der Auffahrt nach Alpe d‘Huez, einem weiteren Leckerbissen der Tour de France. Die Qualen ihrer Vorbilder versuchen denn auch so viele Pedalquäler wie irgend möglich nachzuempfinden. Entsprechend eng geht es in manchen Kehren himmelwärts zu. 

Welche Erholung verspricht da der Col de Sarenne. Kaum jemand realisiert, dass die Straße bei Alpe d‘Huez weiterführt. Eine bezaubernde Landschaft mit Ausblicken bis ins Romanche-Tal sind der Lohn für Entdecker.

Nach Rückkehr an die Ufer der Romanche lasse ich die Goldenen Schwingen unter mir fliegen, um möglichst schnell auf den Col du Lautaret und zur Krönung des Tages auf den Col de Galibier zu gelangen. Mit 2.646 Metern ist er einer der höchsten Alpenübergänge, mit seinen anspruchsvollen Kehren und dem wahrhaft königlichen Blick über weite Teile der Westalpen ein Erlebnis noch dazu. Beseelt rolle ich meinem Tagesziel in Valloire entgegen.

Herausforderndes Pässetrio

Dünne Höhenluft bleibt mein Begleiter über den Col du Telegraphe hin zum herausfordernden Pässetrio Croix de Fer, Glandon und la Madeleine, allesamt knappe Zweitausender, die mich zu einer der schönsten Alpenstraßen überhaupt bringen: der Cormet de Roselend. Zunächst vermitteln Geröllhalden und spärliche Vegetation hochalpine Eindrücke. Mit jedem Höhenmeter gewinnt man schönere Ausblicke auf das Mont Blanc-Massiv. Auf der Hochebene angekommen fällt sattes Grün ins Auge, der Stausee glitzert golden in der Nachmittagssonne. Nicht kitschig, einfach nur unendlich schön – und einsam!

Mit dieser Schönheit mag der Rest der Reise nicht konkurrieren. Die Route des Grandes Alpes bringt mich zurück an den Ausgangspunkt, den Lac Léman. Dort kehre ich im formidablen Hafenstädtchen Yvoire ein, genieße ein letztes französisches Abendmahl am Ufer des Genfer Sees und plane schon den nächsten Coup durch Frankreichs Alpenregion. Es gibt schließlich noch viele Höhenmeter mehr zu entdecken!

Grand Tour de Rhône-Alpes
Die Tour führt über rund 1.680 km vom Genfer See durch weite Teile Frankreichs vielfältigster Region: Rhône-Alpes. Sie ist bestens geeignet für Erstbesucher, weil sich mit ihr die Region und ihre Attraktivität am besten erfahren lässt. Für die Runde ist eine Reisezeit von einer Woche (inkl. An- und Abreise) ausreichend.
Die Tourenkarte als PDF zum ausdrucken gibt es zusammen mit den GPS-Daten im GPX-Format hier zum Download!


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